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m.steinweg

Marcus Steinweg

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GRAUSAM

Proust betreffend kann Bataille anmerken, dass dessen Schreiben einen „unendlichen Widerhall von Reminiszenzen, von Impressionen“ darstelle. Und dennoch ist bei ihm, wie bei allen bedeutenden Autoren, der Widerhall Ausdruck eines gewissen Widerstands. Denn was heißt Schreiben anderes, als sich seiner Welt zu widersetzen? Zum Beispiel, indem man sie minutiös schildert, ohne sie zu kommentieren. Der ausbleibende Kommentar fällt mit Resistenz in eins. Ich kommentiere nicht, was mich stört oder erschüttert. Ich erstatte ihm seine Nacktheit, in der es grausam erstrahlt.


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3 hours ago


GIU dans son BUREAU SIMONE WEIL : une petite pause avec une glace. / PAVILLON SIMONE WEIL de THOMAS HIRSCHHORN


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5 hours ago

WUNDE

Nicht nur Werner Hamacher, aber er in besonderer Weise – im Anschluss an Heidegger, Derrida, Nancy –, legt den Finger in die Wunde jeder Sprache, die sich als Kommunikation bzw. Verständigung begreift. Wunde heißt hier Spalt oder Wüste oder Öffnung, in der sich das sprechende Tier, das der Mensch ist, wiedererkennt als das, was der Wiedererkennung oder Selbsterkennung widersteht. Es kommt nicht zu voller Selbstpräsenz und auch die Weltdinge, die das Subjekt umstellen und durchdringen, entziehen sich ihm. Zumindest ein
wenig, und dieses Wenig macht ihr Wesen ohne Wesen aus. Dem Ohne bzw. dem Mangel haben sich Lacan wie der Poststrukturalismus gewidmet. Fast hätten sie einen Fetisch aus ihm gemacht. Fast? Wer kann das wissen? Womöglich entscheidet sich alles an diesem unentscheidbaren Fast oder Beinahe. Alles, was sich nicht zu einem Ganzen schließt. Alles, was sich der Totalität verschließt. Eben diese Verschließung ist seine Öffnung. Sie markiert die Wunde des Sprachtiers und seiner Sprache, ihr originäres Aufgerissensein aufs Uneinholbare oder Inkommensurable. Wer den Mut aufbringt, sich einer überholt geglaubten Metaphysik kritisch, aber nicht naiv-kritisch zu nähern, hat die Chance zu verstehen, dass sie nichts als die Bewegung ihrer Selbstsuspension war, indem sie sich dem Unmöglichen verschrieb, dem Jenseits des Verstehbaren und Kommunizierbaren, mit den Mitteln einer Sprache, die ihre Macht- und Hilflosigkeit = ihre originäre Verletzung nicht nur anerkennt, sondern auch inszeniert.


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5 hours ago

ZWEI BARBARISMEN

In Adornos „Theorie der Halbbildung“ heißt es, der „Kategorie des Neuen“ sei „als Ferment ein Zusatz von Barbarei beigemischt: man fegt aus.“ Die Referenz auf Benjamins Text "Der destruktive Charakter" ist offensichtlich. Dort steht: „Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätigkeit: räumen. Sein Bedürfnis nach frischer Luft und freiem Raum ist stärker als jeder Haß.“ Eben dies ist bemerkenswert an Benjamins wie Adornos Überlegungen: Noch wo sie der Wut ihr Recht eingestehen, widerstehen sie der Apologie der Gehässigkeit und des Ressentiments. Bei beiden existiert Sensibilität für Sensibilitätsverlust durch Großtuertum. Das Räumen oder Ausfegen der konstituierten Realität soll nicht in Reaktion umschlagen. Eher gilt es zu begreifen, dass die Empörtheitsroutinen weder kritisch noch zielführend sind. Was sie darstellen, ist der Verzicht, auf intelligente Weise gegens Bestehende vorzugehen. Zwei Barbarismen also: Derjenige, der sich in geschauspielertem Rebellentum ergeht und der andere, der nie unter Verzicht auf kritische Selbstimplikation ins bekämpfte Gesamtgeschehen operiert.


28
1 days ago

PATHOS DER WELTVERBESSERER


In den Minima Moralia polemisiert Adorno gegen die Philosophie der Innerlichkeit. Sie koaliert mit dem Ideal der „Echtheit“ oder „Eigentlichkeit“ , dessen bürgerliche Harmlosigkeit sich leicht ins Faschistische dreht. Adorno beruft sich auf Benjamin, der über den Etui-Menschen spottet. Das Innerliche ist eine Konstruktion derer, die längst von dem Außen erreicht sind, dessen Kontakt sie scheuen. Es ist die Feigheitsformel aller, die sich an Integritäts- und Identitätsfantasmen klammern, um der Mannigfaltigkeit von Welt aus dem Weg zu gehen. Sämtliche Selbstheitsvorstellungen gehören dazu. Aber auch das Pathos der Weltverbesserer, die sich wach oder erwacht nennen, ohne sich aufs kontagiöse Weltgeschehen samt seiner Asymmetrien und Inakzeptabilitäten einzulassen. Wer von mittendrin wie von weit außen spricht, ist ein Idiot, der beweist, dass Denken bei ihm nicht vorkommt. Einfacher ist es, sich auf die Insel der wenigen Guten und Gerechten zu imaginieren. So funktioniert narzisstische Gute-Gewissen-Produktion. Auch das ist Innerlichkeit: sich vom erklärten Negativen auszunehmen, um als schöne Seele dazustehen. Hegel, Nietzsche, Freud, Benjamin, Adorno, Duras und Deleuze sind nur einige Autoren, die zu lesen bedeutet, sich auf die Unbrauchbarkeit der Gewissenskategorie in politischen Belangen einzulassen. Nicht, um machtpolitischer Willkür und Verantwortungslosigkeit das Feld zu überlassen, sondern um Raum für Reflexion zu schaffen, in dem das Verstehenwollen das überhastete Urteil und die verantwortliche Entscheidung die aktionistische Selbstgerechtigkeit substituieren.


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1 days ago

APPETIT AUFS UNBEKANNTE

Dass Roland Barthes‘ Verhältnis zur Sprache ein erotisches ist, ist bekannt. Er konnotiert sein Angezogensein durch gewisse Wörter mit einer Art sexuellem „Appetit“, also mit dem, was die Griechen Orexis (ὄρεξις) nennen: Begehren, Verlangen, Sehnsucht oder Wollust. Manches Wort fungiert als erotisches Versprechen. Es reiße, so schreibt er, ihn der Vorstellung entsprechend mit sich: „daß ich etwas mit ihm machen werde: es ist das Erzittern eines künftigen Tuns“. Solche Worte ziehen ihn in Richtung einer unentschiedenen Zukunft. Sie machen Appetit aufs Unbekannte. Die Statik der Sprache zerfällt zugunsten ungezügelter Dynamik. Barthes lässt keinen Zweifel daran, dass er Worte schmecken kann. Liest man seine Texte, schwenkt man in ihre Erotik ein, wird von ihr ergriffen. Darin liegt ihr einzigartiger Reiz. Sie machen Lust auf mehr.


38
1 days ago

Marcus Steinweg
AU-DELÀ DE LA CONNAISSANCE

Seize Réflexions

(Notes sur ma conférence du 22 mai 2026, « Pavillon Simone Weil » de Thomas Hirschhorn, Genève)

1. La connaissance philosophique consiste à savoir que la connaissance n’est pas tout.

2. La connaissance philosophique est limitée.

3. Le fait qu’elle soit limitée ne signifie pas qu’elle ne s’étend pas jusqu’à l’inconnaissable.

4. Au contraire : c’est précisément ce qu’elle fait.

5. Il s’étend jusqu’à la sphère de l’infini, que nous pouvons appeler l’espace de l’incertitude.

6. Si l’on veut, on peut aussi parler de l’ordre de l’innommable ou de la dimension de l’absence.

7. Penser, c’est s’ouvrir à l’absent dans le présent.

8. Celui qui pense le fait dans l’intention de voir l’invisible.

9. Voir l’invisible, c’est ce que nous appelons la philosophie.

10. Dans sa dimension élémentaire, la philosophie peut être décrite comme une ouverture sur l’indimensionnel.

11. C’est pourquoi il n’existe pas de pensée qui ne soit pas vertigineuse.

12. Le vertige est l’expérience fondamentale de la réflexion philosophique, raison pour laquelle celle-ci contient un moment proflexif.

13. Sans la disposition à agir sans réfléchir, la pensée n’est rien d’autre que de la contemplation.

14. Le latin contemplatio correspond à la contemplation, qui se dit theoria (θεωρία) en grec ancien.

15. Dans ce contexte, penser signifie étudier le visible au profit de l’invisible.

16. Et pourtant : la pensée est théorie dans le mode du dépassement de toute théorie.


28
1 days ago

TOPOLOGIE

Das Diesseits zum Jenseits machen, die Immanenz zur Transzendenz konvertieren, und umgekehrt = beide Ordnungen zu einer einzigen erklären, der man ohne sicheres Ortsbewusstsein angehört, ist Kafkas und Simone Weils topologisches Problem: »Diese Welt ist die verschlossene Türe. Sie ist eine Schranke. Und zugleich ist sie der Durchgang.« (S.W


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2 days ago


KRITIK

Walter Benjamin erinnert daran, dass erst mit Kant der Begriff der Kritik zur Kennzeichnung erkenntnistheoretischer Praxis geläufig wird. Bei den Romantikern ist Kritik meist Kunstkritik: „im allgemeinen Sprachgebrauch hat es sich aber allein im Sinn der gegründeten Beurteilung durchgesetzt.“ Kritik und Urteil gehören zusammen. Deshalb muss man die Kritik selbst einer Kritik unterziehen. Man muss ihr zutrauen, sich selbst infrage zu stellen. Eine Kritik der Kritik impliziert das kritische Subjekt in die kritische Dialektik. Es wird von ihr nicht ausgenommen, sodass es als Subjekt und Objekt der Kritik erscheint. Die gegründete Beurteilung stellt sich dem Urteil des Unbegründbaren. Sie öffnet sich auf ihren Abgrund. Das setzt sie der Gefahr des Selbstverlusts aus. Ihr Grund beginnt sich zugunsten des Taumels aufzulösen. Plötzlich ist da kein Grund mehr. Und eben deshalb muss auf ihm bestanden werden. Allerdings handelt es sich um einen Grund, der über dem Abgrund des Unbegründbaren schwebt. Schwebender Grund oder fliegender Teppich. Löchrige Matrix, die Lacan symbolische Ordnung nennt. Statt über letzte Konsistenz zu verfügen, verweist sie auf ontologische Inkonsistenz. Das Reale hat einen nur negativen Platz in der Realität. Es markiert ihre Unabgeschlossenheit und Fragilität. Dennoch ist die Matrix ein Bezugssystem, auf das man sich bis zu einem gewissen Grad verlassen kann. Eine Kritik, die an ihrer Inkonsistenz vorbeisieht, wäre keine. Indem sie die Kontingenz als ihre Wahrheit anerkennt, generiert sie das Minimum an Kritizität, das ihr erlaubt, nicht leichtgläubig zu sein. Von hier aus kann sie auf der Höhe einer ins Begriffliche nie ungebrochen Einholbare operieren.


23
2 days ago

SILENCE

Kann man sagen, dass das Kleinste mit dem Größten konvergiert? Ist das die Lehre der Infinitesimalmetaphysik? Bei Simone Weil stößt man aufs Wissen um die Leere jeder Wissensarchitektur. Es gilt ihrem Verständnis nach auch für das Schweigen in der Tonalität. Sie schreibt, dass die „Stille in der Musik, zwischen den Noten“, dieses „unendlich Kleine (infiniment petit)“ repräsentiert. Es repräsentiert es kaum, sondern gibt es als das Nichtrepräsentierbare zu denken: „La plus belle musique est celle qui donne le maximum d’intensité à un instant de silence, qui contraint l’auditeur à écouter le silence.“

Foto: Bureau Simone Weil: THOMAS & GIU


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3 days ago

KÖRPER

Barthes konnotiert den Körper mit der Abschweifung = mit der Freiheit, nicht im Politischen, Religiösen, Wissenschaftlichen aufzugehen. Der Körper ist der Schauplatz einer von diesen Kategorien nie zureichend erfassten Drift. Er ist driftender Körper, insofern er sich als ihr Außerhalb konstituiert. Erotischer Körper, weil er den Genuss über das Gesetz stellt. Kraftvoller Körper, der die Gewalt verabscheut, um sich Differenzerfahrungen hinzugeben, die kein Gesetz kontrollieren kann. Denkender Körper, der sich die Komplexität der Welt zumutet, statt sie in Begriffsgefängnisse zu sperren. Die Abschweifung macht aus ihm die Quelle einer Selbsterfahrung, die nicht länger auf ein stabiles Selbst und eine fixe Identität vertrauen kann. Körper der Freiheit, der das Imaginäre gelten lässt, ohne es dem Narzissmus zu beugen. Körper im Vollzug seiner Nicht-Identität, die ihn für die namenlosen Anteile seiner selbst offen hält.


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3 days ago

»Dann erwachte ich, und ich trank das Licht der Sonne.«

– Simone Weil


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4 days ago


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